08.10.2014 - Wie jetzt-Frauen an der Motorsäge?

"Erster Motorsägenlehrgang für Frauen“ am Forstlichen Bildungszentrum Gehren. Diese Schlagzeile ging kürzlich im wahrsten Sinne des Wortes durch Presse, Rundfunk und Fernsehen. Wollen die Frauen nun schon wieder eine Männerdomäne brechen?

Bestimmt nicht - schließlich wurden in den letzten Jahren schon zahlreiche Frauen und Mädchen an diesen Maschinen ausgebildet. Warum also habe ich mich mit zwei weiteren Frauen für einen solchen Lehrgang angemeldet?

Die Erklärung ist einfach. Als ich von 1976-78 meine Lehre zum Forstfacharbeiter absolvierte, durften weibliche Lehrlinge keine Motorsägen bedienen. Zu schwer, zu starke Vibration, zu gefährlich - so die verständliche Begründung! Heute ist eine Motorsäge nicht weniger gefährlich, aber immerhin in der Handhabung etwas komfortabler. Und so sitze ich zunächst im Seminarraum des Forstlichen Bildungszentrums und lausche interessiert dem Forstwirtschaftsmeister Ralf Götze, der viel Neues über moderne Motorsägen und ihre Sicherheitseinrichtungen zu berichten weiß. Nach dem Mittagessen geht es in die Praxis heraus. Zugegeben, zum ersten Mal habe ich eine solche Maschine nicht in der Hand. Immerhin habe ich mir schon vor Jahren eine kleine Stihlsäge zugelegt. Als aktive Jägerin und auch während meiner aktiven Revierförstertätigkeit fast ein Muss. Aber eine Profisäge, z.B. vom Typ Husqvarna, ist schon etwas anderes. Jedenfalls das Starten war für uns alle eine echte Herausforderung. Gut, das es da zum Beispiel den sogenannten "Muttiknopf" gibt, der beim Anreißen die erhebliche Kompression des Kolbens auf ein erträgliches Maß absenkt. Nachdem wir drei den Bogen heraus haben, werden die ersten Schnitte geführt. Respekt an alle, die so eine Motorsäge täglich führen müssen. Warum erst Öl tanken, dann erst Benzingemisch? Damit man beim Tanken das Öl nicht vergisst, sonst überhitzt die Schneideinrichtung und sie hat nach wenigen Sekunden nur noch Schrottwert. Als umwelt- und gesundheitsbewusste künftige Motorsägenführerinnen tanken wir natürlich Sonderkraftstoff. Im Wald in der Nähe der Schule zeigt uns der erfahrene Meister wie die Bäume leichter und rückenschonend gefällt und entastet werden. Natürlich stellen wir uns das erste mal ziemlich ungelenk an, aber Übung macht den Meister. So fällt am dritten Tag jede Frau schon selbstständig, natürlich unter strengen Blicken des Meisters, einen Baum. Warum ein Motorsägenlehrgang allein für Frauen? Unter Gleichgesinnten werden auch mal "dumme Fragen" gestellt, die man/frau sich bei einer Männerrunde nicht traut. Auch beschreiben und begreifen wir die Technik etwas anders als Männer.

Schön, dass es zu diesem ersten Frauenlehrgang gekommen ist, Vielen Dank an ThüringenForst und das Forstliche Bildungszentrum Gehren! Ich denke, dass es nicht der einzige Lehrgang dieser Art bleiben wird.

Christina Keiner

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